Am 17. Oktober 2026 fand im Eisenbahnmuseum Strasshof an der Nordbahn (Bezirk Gänserndorf) die NÖ Landesstrahlenschutzübung 2026 unter dem Namen „Taurus“ statt. Ziel war es, die Einsatzfähigkeit des Sonderdienstes Strahlenschutzdienst zu erhalten und die bei radiologischen Einsatzlagen erforderlichen Maßnahmen unter möglichst realitätsnahen Bedingungen zu trainieren. Im Fokus standen der praktische Umgang mit realen Strahlenquellen, die konsequente Anwendung der Strahlenschutzgrundsätze, der fachgerechte Einsatz von Mess- und Schutzausrüstung sowie eine strukturierte Kommunikation und lückenlose Dokumentation.
Übungsobjekt und Einsatzorganisation
Mit dem Eisenbahnmuseum Strasshof wurde ein vielseitiges und anspruchsvolles Übungsobjekt gewählt. Das weitläufige Areal mit Abstellgleisen, historischen Schienenfahrzeugen, Werkstätten, Büroräumen, Kellerräumen und einer Drehscheibe bot zahlreiche Möglichkeiten, unterschiedliche radiologische Einsatzlagen darzustellen.
Unter Beobachtung von Vertretungen der Abteilungen Umwelt- und Anlagentechnik, sowie Feuerwehr und Zivilschutz des Amtes der NÖ Landesregierung, der Exekutive Niederösterreich, des Österreichischen Bundesheeres, des Roten Kreuzes sowie dem burgenländischen und steirischen Landesfeuerwehrverbandes und der Berufsfeuerwehr Wien übten rund 100 Teilnehmer*innen aus dem Sonderdienst Strahlenschutzdienst sowie den beobachtenden Organisationen. Um den echten Einsatzbetrieb zu simulieren, wurde eine Dekontaminierungsstation durch den Schadstoffzug Mistelbach (Poysdorf) vor Ort aufgebaut. Die Feuerwehr Strasshof unterstützte die Durchführung vor Ort mit Statisten und der Sonderdienst Feuerwehrmedizinischer Dienst sorgte für Sicherheit.
Bereits während der Anfahrt zum Übungsobjekt begann die Einbindung der Einsatzkräfte in das Szenario. Entlang der Zufahrtsstrecke wurde mithilfe der AD2-GPS-Messgerätekombination der Leerwert ermittelt. Nach dem Eintreffen folgten die Sicherheitsbelehrung und die Lageunterweisung durch die zuständigen Strahlenschutzbeauftragten.
Die Ausgangslage
Das Szenario nahm seinen Anfang, als ein Besucher des Eisenbahnmuseums im Bereich der Abstellgleise erhöhte Messwerte mit seinem Hobby-Messgerät feststellte.
Im Zuge der weiteren Erkundung ergaben sich Hinweise auf einen Physikstudenten, der sich häufig allein auf dem Gelände aufgehalten und wiederholt schwere Behälter transportiert hatte. Als er darauf angesprochen wurde, flüchtete er mit seinem Fahrzeug und kollidierte dabei mit einem weiteren Vereinsmitglied. Die Feuerwehr Strasshof befreite den verletzten Unfallbeteiligten und übergab ihn dem Rettungsdienst. Zeitgleich leitete die Polizei eine Fahndung ein und sperrte mehrere Bereiche des Museumsgeländes.
Für die Strahlenschutzeinheiten ergab sich daraus eine komplexe Lage mit mehreren möglichen Quellenstandorten. Zu den betroffenen Bereichen zählten das Unfallgelände, ehemalige Büroräume, das Schulungszimmer, die Drehscheibe, die Abstellgleise, die Werkstatt und der Keller samt Ersatzteillager. Um sämtliche Aufgaben systematisch abarbeiten zu können, wurden diese auf mehrere Stationen aufgeteilt.
Erkundung, Messung und Probenahme
Ein zentraler Bestandteil der Übung war die systematische radiologische Erkundung des Geländes. Neben der gezielten Suche nach Strahlenquellen wurden Bodenproben im Außenbereich sowie Wischproben in Innenräumen entnommen. Die gewonnenen Proben wurden anschließend den zuständigen Behörden übergeben. Dadurch konnte auch eine mögliche Kontamination von Böden und Oberflächen in die Beurteilung der Lage einbezogen werden.
An der ersten Einsatzstelle im Freigelände galt es, potenzielle Strahlenquellen aufzuspüren, geeignete Absperrgrenzen festzulegen und die bereits tätigen Feuerwehrkräfte auf eine mögliche Kontamination zu überprüfen. Darüber hinaus mussten die wahrscheinlichen Dosen für die eingesetzten Kräfte und den Verunfallten abgeschätzt werden. Alle durchgeführten Maßnahmen und erhobenen Messwerte waren nachvollziehbar festzuhalten.
Bei der anschließenden Untersuchung der Innenräume standen weitere anspruchsvolle Suchaufgaben an. In den Bereichen „Werkmeister“ und „Schulzimmer“ wurden mögliche Verstecke für Strahlenquellen angenommen. Neben der Lokalisierung verdächtiger Gegenstände waren die Räumlichkeiten messtechnisch zu überprüfen, Wischproben zu entnehmen und die Ergebnisse vollständig zu dokumentieren.
Parallele Einsatzabschnitte im Außenbereich
Am Nachmittag wurde das Szenario auf die Drehscheibe und die Abstellgleise ausgeweitet. Nachdem Waggons und Lokomotiven verschoben worden waren, mussten die Einsatzkräfte im Bereich der Drehscheibe eine erneute radiologische Erkundung durchführen. Neben der Suche nach möglichen Quellen galt es, Absperrgrenzen einzurichten und Wege auf Grundlage entsprechender Dosisabschätzungen freizugeben. Ergänzend kamen geeignete Spürverfahren zum Einsatz. Auch die zu erwartenden Strahlendosen für die beteiligten Mitarbeiter wurden beurteilt und relevante Personen zu ihren Beobachtungen befragt.
Auf den Abstellgleisen standen ebenfalls zuvor bewegte Waggons im Mittelpunkt der Untersuchungen. Da bereits zu Beginn des Szenarios erhöhte Messwerte festgestellt worden waren, lag der Schwerpunkt auf dem Auffinden möglicher Strahlenquellen und der sicheren Abgrenzung potenziell betroffener Bereiche.
Quellensuche in Werkstatt und Keller
Besonders intensiv gestaltete sich die Suche in der Werkstatt und der Montagegrube. Da sich der Verdächtige dort regelmäßig aufgehalten hatte und bei seiner Flucht offenbar einen Gegenstand verloren hatte, mussten die Trupps den Bereich systematisch untersuchen. Dazu gehörten der Einsatz geeigneter Spürverfahren, die Entnahme von Wischproben und die lückenlose Aufzeichnung aller Messungen und Tätigkeiten.
Eine besondere Herausforderung bildete eine im 3D-Druck hergestellte Schienenschraube, in der eine stiftförmige Ausbildungsquelle verborgen werden konnte. Damit wurde die Suche auf ein Objekt ausgeweitet, das äußerlich nicht unmittelbar als möglicher Quellenträger zu erkennen war.
Ein vergleichbares Szenario wurde im Keller und im Ersatzteillager umgesetzt. Auch dort wurde eine mögliche Lagerung von Strahlenquellen angenommen. Die Aufgaben umfassten das systematische Absuchen der Bereiche, den Einsatz geeigneter Mess- und Spürverfahren, die Probenahme sowie die sorgfältige Dokumentation unter Einhaltung der geltenden Sicherheitsvorgaben.
Dekontamination
Den Abschluss der praktischen Einsatzmaßnahmen bildete die Dekontaminationsstation. Einsatzkräfte, die bei den Such- und Messarbeiten unter Schutzstufe 2 mit Atemluftfilter tätig gewesen waren, wurden dorthin geleitet. Zunächst erfolgte eine Kontaminationskontrolle mithilfe eines Portalmonitors. Anschließend wurde eine Echtdekontamination durchgeführt.
Damit wurde der gesamte Ablauf eines möglichen Strahlenschutzeinsatzes praxisnah abgebildet: Erkundung – Messung – Absperrung – Quellensuche – Dosisabschätzung – Probenahme – Dokumentation – Dekontamination.
Feuerwehrtechnische Bewertung
Die Landesstrahlenschutzübung „Taurus“ verdeutlichte die besonderen Anforderungen an Feuerwehreinheiten bei radiologischen Einsatzlagen. Sämtliche Maßnahmen mussten auf Grundlage der erhobenen Messwerte und der jeweiligen Situation beurteilt und umgesetzt werden. Von besonderer Bedeutung war dabei die Auswahl geeigneter Mess- und Spürverfahren, die Festlegung sicherer Arbeitsbereiche, die Überwachung der eingesetzten Kräfte sowie eine nachvollziehbare Dokumentation aller relevanten Ergebnisse.
Das Szenario verknüpfte anspruchsvolle Strahlenschutzaufgaben mit klassischen feuerwehrtechnischen Tätigkeiten wie Menschenrettung, Absicherung von Einsatzstellen, Erkundung und organisationsübergreifender Zusammenarbeit. Die unterschiedlichen Gegebenheiten des Eisenbahnmuseums ermöglichten es, sowohl Außen- und Innenlagen als auch komplexe Suchaufgaben und Dekontaminationsmaßnahmen unter praxisnahen Bedingungen zu trainieren.
Der wesentliche Ausbildungswert lag somit in der konsequenten Verknüpfung von Erkundung, Messung, Beurteilung und Einsatzdurchführung. Die realitätsnahe Umgebung und die Verwendung realer Strahlenquellen boten den Teilnehmern die Möglichkeit, ihre Kenntnisse zu vertiefen, standardisierte Abläufe zu festigen und die Zusammenarbeit innerhalb des Sonderdienstes sowie mit den unterstützenden Organisationen weiter zu stärken.
Zum Schluss darf aber nicht vergessen werden, dem SID-Team (Schnelles Informations-& Dokumentation Team, bestehend aus Mitgliedern der Presseteams aus den Bezirken Mistelbach,Korneuburg & Gänserndorf) für die mediale Aufbereitung und der Versorgung durch den Versorgungsdienst des BFKDO Gänserndorf zu danken.
Fotos (C): Presseteams BFKDO Gänserndorf, BFKDO Korneuburg, BFKDO Mistelbach.
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